Geschichtliches rund um den Klostersee

von Markus Krammer

Vor Jahrhunderten bereits ließen die Benediktiner der Abtei Ebersberg im heutigen Ebrachtal eine ganze Kette von Weihern, wohl hauptsächlich zum Zwecke der Fischzucht, aufstauen. In klösterlichen Aufzeichnungen ist zu lesen, dass es Abt Altmann war, der um das Jahr 1040 das zu Füßen der alten Egglburg entspringende Flüsschen Ebrach mit einem künstlichen Damm aufstauen ließ, und dadurch den Egglburger See schuf.

 

Schon vor gut elfhundert Jahren hatten sich am Westrande des Sees Adelige niedergelassen. Auf dem gewaltigen Burgberg von Hinteregglburg steht heute allerdings nur noch die Kirche allein, umgeben von mächtigen Buchen. Aus dem künstlich abgeflachten Plateau ist die Größe der aus dem hohen Mittelalter stammenden, damals wohl mit einer Palisadenmauer und Gräben umgebenen Burg einigermaßen zu erahnen. Die erste schriftliche Erwähnung Egglburgs ist in den Freisinger Traditionen verzeichnet und stammt aus dem Jahre 816. Dabei geht es um eine Schenkung von Besitz in „Ekkilinpurc“. Puchner vermutet die Namensgebung von der Burg einer Eckila oder eines Eckilo. Im frühen 9. Jahrhundert tritt ein Graf Ratold, der bei Daglfing begütert war, als Herr von Egglburg auf. Mit großer Wahrscheinlichkeit ist in ihm ein Ahnherr der Ebersberger Grafen zu sehen. Aus dem Ebersberger Cartular, einer Sammlung von Urkunden, ist ersichtlich, dass um 1040 ein „miles Adalpertus“ (Kriegsmann Adalbert) einen Teil der Pfarrei, die zu seiner von seinen Vorfahren ererbten Kirche Sankt Michael in „Eckilinpurc“ gehörte, an Ebersberg abtrat. Die Grundmauern der heutigen Kirche auf dem Bugberg dürften jedenfalls noch in diese Zeit zurückreichen. Den alten, romanischen Kirchenbau hat im Jahre 1479 der Ebersberger Benediktinerabt Sebastian Häfele „gewelbt und bösert“.

Um das Jahr 1910 entstand dieses Foto vom Egglburger See mit dem hoch aufragenden Burgberg.

Schon um 1970 wurde der Egglburger See mit einem entsprechenden Umgriff nicht nur wegen der reizvollen Landschaft, sondern auch wegen der außerordentlich interessanten Flora und Fauna unter Naturschutz gestellt. An den Wochenenden sind zahlreiche Ausflügler, Spaziergänger, Radfahrer und Erholungssuchende auf den Wegen rund um den See anzutreffen, da sich von hier aus besonders die Vogelwelt mit den Brutstätten der Lachmöwen gut beobachten lässt. Die Weiherkette setzt sich ab dem Egglburger See fort mit dem Seeweber-Weiher, dem Langweiher, dem Wildweiher, dem Klostersee, dem Schauberger-Weiher, dem Kleinmühl-Weiher und dem Kumpfmühl-Weiher. Das Wasser der Ebrach fand in früherer Zeit aber auch zum Antrieb von Mühlen Verwendung. So gab es am Klostersee oder Eber-Weiher die Klostermühle, am Schauberger-Weiher die Anderl-Mühle, dann die Kleinmühle und die Kumpfmühle. Noch heute deutet der Hausname „beim Fischkalter“, einem alten Anwesen an der Hohenlindener Straße auf ein Gebäude hin, in dem noch zur Klosterzeit Fischzucht betrieben wurde. Die dazu benötigten kleinen Wasserbehälter sind sogar noch in einem alten Kataster neben dem Anwesen eingetragen. Erst wenn die Fische eine bestimme Größe hatten, setzte man sie in die aufgestauten Weiher aus.

„Zum Fischkalter“ lautet der Hausname dieses Anwesens an der Hohenlindener Straße 4,. Hier waren zur Klosterzeit zum Zwecke der Fischzucht mehrere Wasserbecken aufgestellt.

Als um 1910 dieses Foto entstand, diente das „Fischkalter-Anwesen“ als Wohnung für den Förster der Hermann-Schmederer’schen Gutsverwaltung.

Noch um die Mitte des 19. Jahrhunderts war das „Freibaden“ nur am Langweiher gestattet. Eine diesbezügliche ortspolizeiliche Vorschrift aus dem Jahre 1863 lautet: „Nach Maßgabe des Art. 136 wird das Freibaden daher nur im sogenannten Langweiher an dem von der Ortspolizeibehörde bestimmten Platz erlaubt, in allen andern Weihern und Bächen aber bei Vermeidung einer Strafe bis zu 3 fl. Verboten. Ebenso dürfen nach fünf Uhr abends die Werktagsschüler den Badeplatz nicht mehr benützen.“

 

Wie aus der Zuschrift einer damals begeisterten Badenixe an das „Wochenblatt des Amtsbezirks Ebersberg“ hervorgeht, errichtete der Verschönerungsverein Ebersberg im Jahre 1893 am Langweiher ein „mit größtem Comfort ausgestattetes Damenbad“, genannt: „Zur immerblühenden Hoffnung!“

Ansicht der ersten Badekabinen auf dem Steg zwischen dem Wildweiher und dem Klostersee um 1900.

Im Februar 1894 sammelte Malermeister Pankraz Meyer Unterschriften zur Einberufung einer Generalversammlung des Verschönerungsvereins. Einziger Tagesordnungspunkt war: „Die Erbauung eines Frauenbades am Klostermühlweiher“. Mit der Besitzerin des Weihers, Frau Käthe Stiglauer, hatte man eine jährliche Benutzungsgebühr von 50 DM vereinbart. Einen Monat später erhielt die Firma Otto Steinbeiß aus Rosenheim den Auftrag, am westlichen Ende des Sees beim Steg um den Preis von 2.200 Mark eine „Schwimm- und Badeanstalt“ mit vier geschlossenen Badekabinen, acht Umkleidekabinen und einem Freibassin für Schwimmer und Nichtschwimmer zu errichten. Der Betrag wurde durch Verkauf von Anteilscheinen, Spenden und einer Darlehensaufnahme aufgebracht. Am 6. Juni 1894 erließ der Verschönerungsverein „Vorschriften für die Benützung der Schwimm- & Badeanstalt in Ebersberg“. Darin ist einleitend festgestellt, dass das Wasser des Sees „... nach dem Gutachten des kgl. Kreismedizinalarztes Dr. Vogel außerordentlich gesund und ungemein mild“ ist. In zehn Paragraphen war damals der Badebetrieb auf das Genaueste geregelt, wobei man im § 6 festlegte: „Das Baden und Schwimmen ohne Schwimmkleidung im Freibassin ist strengstens verboten...“. Die Badezeiten waren für beide Geschlechter getrennt vorgesehen. Scheinbar haben sich aber die Badegäste nicht immer and diese strengen Vorschriften gehalten, was Pfarrer Lochner am 22. Juli 1904 zu einem geharnischten Protest bei der Gemeinde veranlasste. Dabei bemerkte er: „... Ich habe vor  zwei Tagen selbst die Beobachtung gemacht, dass um die Mittagsstunde Herren und Damen zu gleicher Zeit im Schwimmbassin der Badeanstalt badeten... Ich muß gegen eine solche Unanständigkeit (um mich gelinde auszudrücken) energisch Einspruch erheben und um Abstellung ersuchen“. Was würde der gestrenge Pfarrherr wohl zu den heutigen textillosen Sitten in Bädern und an Badestränden sagen?

Schon um 1910 verfügte das Ebersberger Bad über mehrere Kabinen und geschlossene Bassins, wobei allerdings die Badezeiten für beide Geschlechter getrennt vorgesehen waren.

Wie einem Eintrag vom 26.2.1919 im Protokollbuch des Verschönerungsvereins Ebersberg zu entnehmen ist, waren damals für die Benutzung des Bades folgende Preise festgesetzt:

 

Abonnement-Karten: für Kabinen und Schwimmbassin für Nichtmitglieder und Fremde 4 Mark, desgleichen für Mitglieder 3 Mark.

Schwimmbassin allein für Nichtmitglieder und Fremde 3 Mark, desgleichen für Mitglieder 2 Mark.

 

Bad – Billets:

Kabinenbad für Nichtmitglieder und Fremde

(ohne Wäsche)                                                        20 Pfennige

Freibad                                                                   15 Pfennige

Kabinenbad für Mitglieder                                      10 Pfennige

Freibad                                                                   10 Pfennige

Freibad und Kabinenbad für Mitglieder                  5 Pfennige

Wäsche                                                                   10 Pfennige

In früherer Zeit waren die Ufer des Klostersees noch mit Schilf bewachsen.
Das Ebersberger Freibad um 1930.

Im Februar 1921 ging der „Stiglauerweiher“, wie man den See auch nannte, durch Kauf in den Besitz von Johann Otter über. In einer öffentlichen Bürgerversammlung wurde nunmehr die Genossenschaft „Bad Ebersberg e.G.m.b.H.“ gegründet. Durch Kauf und Grundstückstausch gelangte diese schließlich in den Besitz eines Teiles des Nordufer. Die Badeanstalt wurde nun auf diese Seite verlegt. Am 11.6.1922 fand die Einweihung des neuen Bades mit einem großen „Werbe-Schwimm-Fest“ statt. Dazu ergingen eine Woche vorher vom Bezirksamt an die Gemeine u. a. noch folgende Maßregeln, die einen geordneten Badebetrieb gewährleisten sollten:

 

1. Es ist streng darauf zu achten, dass in die Herrenabteilung keine Frauen, und in die Damenabteilung keine Herren gelangen...

2. In den Kabinenbädern sind die zahlreichen Astlöcher zu verschließen; es sind Klagen laut geworden, dass sich Besucher durch neugierige, kahnfahrende Personen belästigt fühlten.

3. Wiederholt haben Herren in der Badehose das Bad verlassen und sind auf dem neben dem Bad hinziehenden Weg und der angrenzenden Wiese herumgelaufen. Hiergegen ist energisch einzuschreiten....“

 

 

Zur „Perle des Münchner Ostens“, wie man Ebersberg früher benannte, gehörte auch die Möglichkeit einer Kahnfahrt auf dem Klostersee dazu.

Im Jahre 1937 ging unter Bürgermeister Karl Schmidle der Klostersee in den Besitz der Gemeinde Ebersberg über. Im März 1939 erfolgte dann in einer außerordentlichen Generalversammlung die Auflösung der „Bad Ebersberg e.G.m.b.H.“ und seither betreibt die Gemeinde Ebersberg das Bad am Klostersee.

Ab 1922 wurde das Bad auf die Nordseite des Klostersees verlegt.
Um 1927 erteilte Lehrer Huber seinen Schulbuben am Klostersee Schwimmunterricht.

Aktuelles

Termin Jahreshauptversammlung

wird noch bekannt gegeben

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